17.11.15

Offener Abend mit Herrn von Lübtow

Wer hat sie wohl noch nicht gehört, die Geschichte von den „Bremer Stadtmusikanten“ der Gebrüder Grimm. Vermutlich alle anwesenden Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich im Rahmen der Reihe der „offenen Abende“ im Gemeindehaus Arche eingefunden hatten, um sie erneut erzählt und vor allem erklärt zu bekommen.

Wer hat sie wohl noch nicht gehört, die Geschichte von den „Bremer Stadtmusikanten“ der Gebrüder Grimm. Vermutlich alle anwesenden Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich im Rahmen der Reihe der „offenen Abende“ im Gemeindehaus Arche eingefunden hatten, um sie erneut erzählt und vor allem erklärt zu bekommen. Joachim von Lübtow war Erzähler und Übersetzer dieser auf den ersten Blick doch eigenartigen Geschichte von den vier Tieren, die sich auf den Weg nach Bremen machten, um Stadtmusikanten zu werden.

Herr von Lübtow kommt aus Urbach und ist mit seinen 75 Jahren im „Ruhegang“ angekommen.  Das Wort „Ruhestand“ meidet er, denn es vermittelt Stillstand, und „Ruhegang“ vermittelt Bewegung. Im Kreis Ludwigsburg ist Herr von Lübtow u. a. seit 18 Jahren als Gesprächsleiter der Kellergespräche bei den Nachteulen in der Friedenskirche bekannt.

Was fasziniert an diesem Märchen, in dem weder eine Prinzessin, noch ein Zauberer vorkommt, in dem niemand erlöst wird? Alles sind Tiere, die aus dem Leben gejagt wurden. Vier Tiere in der Krise ihres Lebens, nun auf dem Weg in den Ruhegang. Der Esel, der des Tragens der Säcke zur Mühle müde geworden war, der Hund, der zum Jagen nicht mehr taugte und Reißaus genommen hatte, weil sein Herr ihn totschlagen wollte, die Katze, deren Zähne im Alter stumpf geworden waren und die vor dem Ersäufen davon gelaufen war und der Haushahn, der im Suppentopf landen sollte.

„Wer bist du, wenn du nicht mehr der bist, der du warst“, fragt Herr von Lübtow sich und seine Zuhörer. Er wäre gerne der Esel in diesem Märchen. Dieses Tier ist ein Brückenbauer, baut Eselsbrücken, hat Visionen, Träume und vor allem hat es nicht verlernt sie zu leben. „Welche Träume und Visionen haben Sie  noch in ihrem Leben?“ Diese Frage stellte Herr von Lübtow seinen Gästen. Haben Sie noch welche?

Der Esel fragte die anderen drei Tiere jeweils: „ Was ist denn los mit dir?“ „Danke, geht so, ist halt nicht mehr das, was es einmal war.“ So die häufige Antwort. Oft wird Klage geführt. Klagen, so der Referent, will etwas verändern. Im Jammern verharrt man.

Könnten es gar „Lebensräuber“ gewesen sein, welche die Musikanten im vor sich auftauchenden Haus erkannten? Doch was sind Lebensräuber? Sätze wie: „Das kannst Du ja nicht“, „ was Du machst, ist eine brotlose Kunst!“, „werde etwas Richtiges!“. Das sind Steine, die man auf den Lebensweg gelegt bekommt, die zu Lebensräubern werden können. „Erwachsensein ist, etwas tun, obwohl es die Eltern gut finden“. Ein dem Referenten sehr wichtiger Impuls.

Wir alle haben etwas von den genannten vier Tieren. An manchen Tagen sind wir wie ein müde gewordener Hund. An anderen Tagen jammern wir, an wiederum anderen Tagen, gehen wir dem Streitgespräch  aus dem Weg, machen lieber gut Wetter, wie der Hahn. Die Katze in uns, schaut zu oft in die Vergangenheit und kommt in der Gegenwart nicht voran. Deshalb, stehe zu Dir, so wie Du bist, lerne Deine Schrittlänge zu gehen, nicht größer, aber auch nicht kleiner und bringe Dein Leben ins Gleichgewicht, das ist der Schlüssel zum Lebensglück.