"Von der Millionärin zur Tellerwäscherin" - Frauenfrühstück mit Sabine Ball

Frühlingshaft waren die Temperaturen am 1. Februar 2020 und auch im Gemeindehaus Arche wehte ein Hauch von Frühling durch den Raum. Die Dekoration auf den Tischen war pastellfarben und der Schimmer von Perlmuttknöpfen in Vasen und auf Serviettenringen ließ ein Gefühl von Reichtum aufblitzen. Ja, reich gedeckt war das Frühstücksbuffet, reichlich musikalische Schätze hatte Joy, die Tochter einer Mitarbeiterin des Frühstücksteams, mitgebracht. Mit „Money, Money, Money“ dem Song der Gruppe ABBA leitete sie gekonnt das Thema des Vormittags ein.

„Von der Millionärin zur Tellerwäscherin“

Wer war Sabine Ball, die genau diesen Schritt im Alter von 68 Jahren unternahm. Claudia Schäfer, Seelsorgerin aus Leutenbach, ist gerne Referentin bei Frauenfrühstückstreffen und Frauenfreizeiten. Sie hat sich mit der Biografie einer ganz besonderen Frau beschäftigt und stellt Sabine Ball vor.

Sie war einmal steinreich und dann bettelarm. Sie hatte einen Traum, der nichts mit Reichtum und Wohlstand zu tun hatte. Mit zwei kleinen Koffern in der Hand kam sie 1992 aus Kalifornien in Dresden an. Welche Vision hatte sie im Gepäck? Sie trug eine große Sehnsucht in sich, nach Dresden zurückzukehren. Was war aus ihrer Heimat geworden, fragte sie sich. Schon 1981 kam sie das erste Mal wieder in der ehemaligen DDR, in Berlin an. Einfach gekleidet, eine schlichte Tracht mit weißer Bluse und einer Seidenansteckrose. Sie betete für die Menschen, weil sie hörte, dass Christinnen und Christen dort Hilfe brauchten. Sie mischte sich unter die Menschen, die auf der Straße lebten. Künstler, Punks, Studenten, viele junge Menschen lernte sie kennen, die auf der Suche nach Heimat und Geborgenheit waren. Sie sah trostlose Gegenden und viel Not.

In einem Eckhaus in der Martin-Luther-Straße in Dresden, ehemals eine Kneipe, gründete sie einen Secondhandladen und ein Cafe mit ganz wenig Mitteln. Dort bot sie im Jugendtreff warmes Essen für Hilfsbedürftige an. Die jungen Leute aus kaputten Familien sollten Werte vermittelt bekommen, Wärme und Liebe erfahren und erkennen, dass sie wertvolle Menschen sind. Sie hatte keine guten Ratschläge, sie gab Zeit, Wärme, Nahrung und Kleidung, vor allem aber Hoffnung.

Weiterhin sanierte sie mit Unterstützung der Stadt Dresden zwei Abbruchhäuser und funktionierte sie zu der sozialdiakonischen Kinder- und Jugendstätte „Stoffwechsel“ um, einen gemeinnützigen Verein, den es bis heute gibt.

War Frau Ball schon immer so sozial und selbstlos? Claudia Schäfer nahm die Frühstücksgäste mit auf die Reise vom Suchen, Loslassen und Finden der Sabine Ball.

Sie wurde in Königsberg, Ostpreußen geboren und wuchs in einer gutbürgerlichen Familie auf. Sie erlebte das Ende des ersten Weltkriegs und den Verlauf des zweiten Weltkrieges. Ihr bedrückendstes Erlebnis war die Bombennacht in Dresden 1945. Sie überlebte diese Hölle von Dresden zusammen mit ihrem Bruder Hans und floh mit ihm, weg aus Deutschland. 1949 kamen sie auf einem Kriegsschiff in Amerika an und Sabine Ball hatte damals nur einen Wunsch, heraus aus Not und Armut zu kommen. Reich und wohlhabend wollte sie werden.

Sie war eine sehr schöne Frau und lernte über ihre Anstellung in einem luxuriösen Hotel Cliff Balls kennen, den Sohn eines Multimillionärs. Sie heirateten und bekamen zwei Söhne. Die Familie lebte in großem Luxus und reiste in die ganze Welt. Sabine Ball saßen am Tisch mit Richard Nixon und sie tanzte mit dem Schah von Persien. Aber mit der Zeit spürte sie, dass es nicht die Welt der Reichen war, sondern die einfachen Menschen, zu denen es sie immer mehr hinzog.

Nach 10jähriger Ehe verließ sie ihren zwischenzeitlich dem Alkohol verfallenen Ehemann und zog mit ihren Kindern nach Kalifornien. Dort suchte sie zunächst Anschluss an die Künstlerszene und kaufte 1968 ein Grundstück, das sie The Land nannte und auf dem sie Hippies und Drogenabhängige einlud, mit ihr zu leben. Ihr Ziel war es, sie von Drogen wegzubekommen. Im Zuge der Jesus-Bewegung wurde Sabine Ball 1971 gläubige Christin und benannte ihr Projekt in The Lord´s Land um. Sie selbst fand dort, durch die Hilfe die sie bedürftigen Jugendlichen gab, zum ersten Mal selbst, was sie immer gesucht hatte.

In Kalifornien erhielt sie dann auch den Ruf, der sie in ihre frühere Heimat Deutschland zurückführte. Den Dienst an Jugendlichen hielt sie bis an ihr Lebensende im Juli 2009 in Dresden, wo sie viel Gutes für Kinder und Familien aus sozial schwachen Verhältnissen leistete. Sabine Ball war eine ganz besondere Frau!

Das nächste Frauenfrühstück findet am 9. Mai 2020 statt. Suse Müller spricht zum Thema „Schätze in meinem Leben - Entdecken, was mein Leben kostbar macht.“

Marion Stein