Offener Abend zum Thema "Christentum-Islam: wohin geht der Weg?"

Zu diesem interessanten Thema fand im Rahmen der Ev. Erwachsenenbildung ein Offener Abend im Gemeindehaus Arche in Steinheim mit ungefähr 60 Teilnehmern statt.

 

Gehört der Islam zu Deutschland? In Deutschland leben Menschen, die sich zum muslimischen Glauben bekennen. Der Islam scheint Christen aber immer wieder fremd in seinen Sitten und Gebräuchen, nicht zuletzt in Glaubensäußerungen, seinen Gottesdiensten und dem „Heiligen Buch“, dem Koran. 

 

Es bleibt ein Auftrag der Kirche, sich inmitten der Gesellschaft dafür einzusetzen, dass Christen und Muslime einander besser kennen lernen und in Beziehung zueinander treten. Was aber wissen wir voneinander?

 

Manfred Scholl war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2014 Schuldekan für die Bezirke in Stuttgart, Bad Cannstatt und Zuffenhausen. Er studierte Islamwissenschaft und hat die arabische Sprache erlernt, um den Koran selbst lesen zu können. In Schulen und Kindertagesstätten setzt er sich noch heute mit Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen an einen Tisch, um die Integration von muslimischen Kindern im Alltag zu fördern.

 

An diesem Gemeindeabend ging er diesem Thema nach. Er gab allen Teilnehmenden die Gelegenheit, sich aktiv am Thema zu beteiligen. Auf einem Tisch stellte er Gegenstände aus, die uns den Islam anschaulich und begreifbar machen sollen. Denn er ist der Meinung, dass die Menschen mit islamischem Glauben, die in unserem Land leben, hier heimisch werden oder es für eine bestimmte Zeit sind. Da ist es wichtig, sich zu begegnen und voneinander zu wissen, denn das was fremd ist, kann dazu führen, dass es schnell abgelehnt wird.

 

Herr Scholl trug zu Beginn des Abends eine Takke, das ist die Kopfbedeckung der muslimischen Männer, die sie beim Gebet aufsetzen. Der Brauch geht auf den Propheten Mohammed zurück. Die Bücher im Arabischen werden Kitab genannt. Auch die für Muslime verbindliche Gemeindeordnung von Medina, ein Vertrag, der alle Muslime einigen soll, befindet sich in einer Kitab. Es gibt auch wissenschaftliche und naturwissenschaftliche Schriften. Das lebendige Wort, also der Vortrag ist im Islam das gesprochene Wort. Zum Vergleich: im Christentum ist die Bibel die Grundlage des Glaubens. Das Wort Gottes ist Gott selbst. Es ist lebendig und weist sich durch den Heiligen Geist aus.

 

In der Spätantike gelangten verstärkt monotheistische Einflüsse, das Judentum und das Christentum nach Arabien. Diese haben Mohammeds spätere Entwicklung mit beeinflusst, so führt Herr Scholl weiter in seinem Bericht aus. Mohammeds erste Offenbarungserlebnisse sind in der Prophetenbiographie Sira festgehalten. Mohammed wurde aufgetragen, sein Offenbarungserlebnis zu rezitieren. Die Rezitation oder die Lesung bezeichnet die Interpretation von literarischen Werken. 

 

In der Auslage von muslimischen Gebetsgegenständen befand sich auch eine arabische Schrift für Kinder. Kinder lernen in der Koranschule die arabischen Buchstaben lesen und rezitieren. Weitere Gegenstände wurden von den Teilnehmern ausgesucht und im Verlauf des Abends von Herrn Scholl erklärt. Dabei waren ein Palästinensertuch und eine Gebetskette, die von Männern im Alltag getragen wird. Katholiken kennen eine Perlenkette auch als Glaubenssymbol in der Form des Rosenkranzes. 

 

Das heilige Buch der Muslime, der Koran, steht immer auf einem Podest, damit er nicht mit der Erde in Berührung kommt. Die Bibel der Christen ist das weit verbreitetste Buch. Weiter ging Herr Scholl auf Essensvorschriften im Islam und Gebetshaltungen ein. Es gibt zahlreiche interreligiöse Haltungen beim Gebet, zum Beispiel das Knien, Niederwerfen und Hände falten. Bei uns Christen ist das Hände falten die bekannteste Gebetshaltung. Der Ramadan, der Fastenmonat, dient Muslimen zur inneren Sammlung und hat feste Regeln. In diesem Jahr wird er Mitte Mai beginnen.

 

Bei allem was strittig ist, weist Herr Scholl darauf hin, dass es von Traditionen kommt, die mit der Herkunft der Menschen zu tun hat. Auch Mohammed traf auf seinen Reisen, im Osten von Syrien her kommend, in Richtung Süden Anhänger christlicher Kirchen. Er traf Mönche auf seiner Reise, die das gelobte Land in Palästina aufsuchen wollten. Auch hat er in christlichen Klöstern übernachtet und so Klosterregeln kennengelernt.

 

Wenn man die Religionen verstehen will, so Herr Scholl, muss man die Geschichte verstehen. 

 

Herr Scholl meint, dass unsere muslimischen Nachbarn für uns Europäer eine Chance sind, die alten Wege der Geschichte mit neuen Augen zu sehen. Er beendet seinen spannenden Vortrag und die Gesprächsrunde mit einem „salam aleikum“, die arabische Grußform, und mit dem christlichen Friedensgruß „Friede sei mit Euch“.

 

 

Autorin: Marion Stein